| Grundlegendes
vorweg
Bei den nachfolgend aufgeführten Tipps handelt es sich um die Quintessenz unserer
Reiseerfahrungen der letzten Jahre. Sie beziehen sich grundsätzlich auf Reisen mit
einem eigenen Fahrzeug und sind daher nur ansatzweise für Rucksacktouristen geeignet. Die
Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Verwenden Sie die meiste Vorbereitungszeit nicht auf die detaillierte Ausarbeitung einer
Reiseroute sondern auf die Vorbereitung Ihres Fahrzeugs. Es kann durchaus sein, dass Sie
die geplante Route - je nach der aktuellen politischen Lage oder umweltbedingten
Einflüssen im einzelnen Land - plötzlich ändern müssen. Die Ausrüstung/Einrichtung
Ihres Fahrzeugs sollte alltagstauglich, d.h. praktisch sein. Testen Sie Ihr Equipment vor
dem Reisestart eingehend im Rahmen mehrerer Kurzurlaube, machen Sie sich mit möglichst
allen Einzelheiten vertraut und bessern Sie Schwachstellen gegebenenfalls nach. Allen
Nicht-Mechaniker empfehlen wir, im Sinne eines Basis-Crashkurses bei einem grossen
Unterhaltsservice an Ihrem Fahrzeug in der Werkstatt mit dabei zu sein. Damit verschaffen
Sie sich einen grundlegenden Überblick über die vorhandene Fahrzeugtechnik. Lassen Sie
sich mögliche Schwachstellen zeigen und bestimmen Sie gemeinsam mit dem Spezialisten,
welche Ersatzteile sinnvollerweise mitzuführen sind. Wenn möglich, nehmen Sie ein
Reparaturhandbuch zu Ihrem Fahrzeug mit.
Fahrzeugwahl
Die Strassenverhältnisse entsprechen in Zentral- und Südamerika oder auch Afrika nicht
dem uns im europäischen Alltag Gewohnten. Abseits der geteerten Hauptverbindungsstrassen
stösst ein konventionelles Fahrzeug sehr schnell an seine Limiten und kann auf den
weitverbreiteten Schlagloch- oder Wellblechpisten gravierende Beschädigungen erleiden
oder gar liegen bleiben.
Wichtig ist nicht in allererster Linie der 4 x 4 Antrieb, sondern eine möglichst grosse
Bodenfreiheit des Fahrzeugs. Ebenfalls vorteilhaft ist ein gegenüber normalen
Strassenfahrzeugen verstärktes Chassis. Und es liegt in der Natur der Sache, dass gerade
die 4 x 4 Fahrzeuge über diese wesentlichen Attribute verfügen. Von Vorteil ist ein
Fahrzeug, dass noch über die klassischen Starrachsen und nicht die moderne
Einzelradaufhängung verfügt. Zwar sind diese Fahrzeuge in der Regel etwas weniger
komfortabel im Handling, dafür bleibt der minimale Bodenabstand unter den Achsen aber
immer erhalten. Je mehr sie einem modernen Fahrwerk aufladen, umso weiter wird es sich
zwischen seinen Rädern absenken, bis es schliesslich kaum mehr Bodenfreiheit als ein
tiefergelegtes Sportcoupé aufweist. Vorteilhaft ist auch, wenn das von Ihnen gewählte
Fahrzeug in den von Ihnen besuchten Ländern ebenfalls auf dem Markt ist; es erleichtert
im Normalfall Unterhalt und allfällige Ersatzteilbeschaffung.
Wählen Sie ein Fahrzeug, das über einen möglichst simpel konstruierten und mit wenig
Elektronik gesteuerten Diesel-Motor verfügt. Elektronik erleichtert zwar den Alltag und
leistet zweifelsohne auch einen wertvollen Beitrag zur Sicherheit, kann aber bei einem
Defekt unterwegs im Ausnahmefall bis hin zur Aufgabe der Reise führen. Dieselmotoren sind
anspruchsloser im Bezug auf die Treibstoffqualität und verbrauchen deutlich weniger
Energie als leistungsmässig vergleichbare Benzinmotoren. Sie schleppen also deutlich
weniger Treibstoff-Gewicht bei gleicher Aktionsreichweite mit sich herum.
Für Reisen mit Expeditionscharakter bieten sich in erster Linie Land Rover Defender,
Mercedes G und der heute in Europa leider nicht mehr als Neuwagen erhältliche klassische
Toyota Landcruiser 400 an. Diese sind nicht nur sehr robuste und zuverlässige
Reisebegleiter sondern lassen sich bei einer allfälligen Verschiffung auch noch sicher
und halbwegs preisgünstig in einen 20 Fuss Kontainer stecken. Schwerere Fahrzeuge (Unimog
oder andere 4x4 LKWs) sind nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Zwar bieten sie mehr
Transportkapazität, erkaufen sich diesen vermeintlichen Vorteil aber mit deutlich
höherem Treibstoffverbrauch (und damit grossen, schweren Tanks), sind in der Anschaffung,
dem Unterhalt und beim Verschiffen deutlich teurer und im Gelände keine wirkliche
Alternative zu den vorgenannten Fahrzeugen. Oder haben Sie schon einmal versucht, von Hand
- allein oder zu zweit - einen im Sand steckengebliebenen LKW auszugraben?
Ausrüstung
Persönlich: Kleidung: Jeans und andere Kleidungsstücke aus Baumwolle sind zwar
normalerweise recht angenehm zu tragen und recht robust. In tropischen Gegenden sind diese
Gewebe aber wenig sinnvoll, weil wenn einmal nass geschwitzt oder frisch gewaschen kaum
mehr trocken zu bekommen. Wir empfehlen das Verwenden von modernen, hellen
Kunstfasergeweben, die nicht nur über eine fantastische Trocknungsfähigkeit verfügen
sondern auch äusserst leicht und bequem zu tragen sind. Den Füssen gönnen wir
vorzugsweise moderne Trekkingschuhe in Goretex Ausführung, dazu für wärmere Gegenden
ein paar gutsitzende wasserresistente Trekkingsandalen. Tragen Sie stets etwas
Toilettenpapier in einer Hosentasche mit sich herum...
Fahrzeug: Nebst der unter Fahrzeugwahl erwähnten Ersatzteilsammlung sollten Sie
das fahrzeugspezifische Zubehör Ihrer Reiseroute anpassen. In Afrika sind sicher
Sandbleche, Bergegurte mit Schäkel, Schaufel, funktionierender Wagenheber (wenn
verwendbar z.B. HiLift), Überbrückungskabel und passendes Werkzeugsortiment unabdingbar.
Wer auch abseits der Hauptverbindungsstrassen auf Nummer sicher gehen will, nimmt noch
(Hand-)Winde, Axt, Spitzhacke, Schneeketten und Machete mit. Eine gutsortierte Schachtel
mit verschiedensten Schrauben, Klebebändern, etwas Schnur, Schlauch und Draht runden die
Basis-Notfallausrüstung ab.
Treibstoffversorgung
Entlang der Hauptverbindungsstrassen war die Treibstoffversorgung auf unseren Reisen immer
problemlos, unsere beiden bisherigen Fahrzeuge waren allesamt nur mit unveränderten
Serientanks ausgestattet. Als Sicherheits-Faustregel empfehlen wir aber trotzdem, den Tank
jeweils nur halb leer zu fahren und dann nach einer Zapfsäule Ausschau zu halten.
Sinnvoll ist auch, stets einen gefüllten Reservekanister mitzuführen. Fahrten abseits
dieser Routen stellen andere Anforderungen: hier ist vor dem Start die
Treibstoffversorgungslage abzuklären und die benötigte Menge für die Strecke inklusive
einer anständigen Reserve mitzuführen. Beachten Sie, dass Ihr Fahrzeug bei
Geländefahrten mindestens 30 % mehr Treibstoff verbraucht. Wir empfehlen dazu den Einsatz
mobiler Treibstoffkanister - festeingebaute Zusatztanks sind unserer Meinung nach in der
Anschaffung viel zu teuer und bereiten darüberhinaus für eine Zulassung bei
TÜV/Motorfahrzeugkontrolle/Versicherung grosse Probleme.
Reifen
Obwohl wir für unsere Afrika-Reise nur mit einem kompletten Ersatzrad ausgerüstet waren
und damit sehr gut gefahren sind, empfehlen wir grundsätzlich die Mitnahme von zwei
kompletten Rädern. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie einen defekten Reifen im nächsten
Ort umgehend reparieren lassen. Solche Reifenflicker gibt es wirklich in fast jedem Dorf,
erkennbar meist an vor dem Haus kunstvoll aufgetürmten Altreifen. Die Frage, ob mit
Schlauch oder ohne Schlauch gefahren werden soll, können wir aus eigener Erfahrung nicht
schlüssig beantworten - wir haben mit beiden Systemen gute Erfahrungen gemacht. Moderne
Schlauchlosreifen haben den Vorteil, dass viele kleinere Löcher oft ohne Demontage des
Reifens von der Felge von aussen her mit einem Gummipfropfen einfach geflickt werden
können. Auch ist das Angebot an Ersatzreifen unterwegs vermutlich grösser. Reifen mit
Schläuchen sollen dafür das Herabsetzen des Luftdrucks bei Tiefsandfahrten besser
vertragen. Wichtiger als diese Diskussion scheint uns zu sein, dass Sie mit möglichst
frischen und optimal auf Ihre Bedürfnisse hin ausgerichtete Reifen gleichen Typs starten
(Reifenprofil vorzugsweise ausgelegt auf 50% Strasse, 50% Gelände). Bedenken Sie bei der
Reifenwahl auch, dass Sie unterwegs möglicherweise keinen Ersatz für irgend ein
exotisches Produkt oder eine ungewöhnliche Reifendimension erhalten können. Wir sind mit
unseren serienmässig montierten, heute leider nicht mehr erhältlichen Michelin X 4x4
7.50 R16-Pneus (mit Schlauch) problemlos über 60'000 Kilometer von zuhause bis Kapstadt
gefahren. Bewährt haben sollen sich bei anderen Reisenden auch die weitverbreiteten BF
Goodrich All Terrain (schlauchlos). Tipp: Falls Sie im letzten Land Ihrer Reise
beabsichtigen, frische Reifen zu kaufen, weil diese dort billiger sind, achten Sie darauf,
dass sie das europäische E2-Signet aufweisen - ansonsten ist später nix mit TÜV
und/oder Motorfahrzeugkontrolle...
Lebensmittelversorgung
Grundsätzlich gibt es heutzutage in allen grösseren Städten überall auf der Welt immer
irgendwo einen Supermarkt, wo Sie Produkte in guter Qualität einkaufen können. Dort sind
diese zwar im Landesvergleich relativ teuer, dafür finden Sie aber meist die gewünschten
und Ihnen bekannten Markenartikel. Und das kann bei längeren Reisen manchmal recht
angenehm sein... Früchte, Gemüse und Brot kaufen wir meist frisch und günstig auf
Märkten am Strassenrand, Fleisch aber nur sauber abgepackt in den vorgenannten
Supermärkten. Trotzdem empfiehlt sich, stets eine gut gefüllte Kiste mit haltbaren
Nahrungsmitteln (z.B. Teigwaren, Dosengemüse /-fleisch und Trockenbrot) als Notvorrat
mitzuführen. Beachten Sie, dass bei Grenzübertritten manchmal keine Fleisch- oder
Milchprodukte, teilweise auch Obst mitgeführt werden dürfen.
Küche
Allem voran empfehlen wir das Mitnehmen eines Dampf-/Schnellkochtopfes. Obwohl etwa
sperrig lassen sich damit bei geringstem Energie- und Zeitverbrauch z.B. Kartoffeln
weichkochen. Ein absolutes Muss für Reisen im östlichen oder südlichen Afrika ist
zweifelsohne auch das Mitführen einer alltagstauglichen Toastmöglichkeit, z.B. preiswert
als Aufsatz für Gaskocher erhältlich. Nur so ist dem ewig gleichen, trostlosen
Schaumgummibrot etwas Biss und Geschmack beizubringen. Wir regen an dieser Stelle an, dass
sich findige Expeditionsausrüstungsbauer gelegentlich mit der Entwicklung einer
handlichen 12 Volt Brotbackmaschine befassen... :-)
Kochen/Energieversorgung
Die meisten Camper kochen (oder backen, grillieren und beleuchten) mit Gas. Der Vorteil
dieses Systems ist, dass der Brennstoff billig und die Geräte und Flaschen relativ
günstig sind. Nachteilig ist aber, dass 5 und 11 Kilogramm Gasflaschen ausserhalb Ihres
Heimatlandes nur noch schwer nachfüllbar sind. Das liegt unter anderem daran, dass in
anderen Ländern andere Füllsysteme üblich sind als zuhause; ganz Nord- und Südamerika
füllt Flaschen beispielsweise im Niederdruckverfahren (Gas wird so lange in die Flasche
geleert, bis sie überläuft), in Europa ist das Hochdruckfüllverfahren üblich. Kein
seriöser Gaslieferant wird ihnen z.B. in Canada Ihre europäische Flasche füllen, weil
er damit seine Lizenz aufs Spiel setzt. Ein weiteres Problem sind die verschiedenen
Flaschen-Anschlussgewinde. Das können Sie lösen, indem Sie sich im Fachhandel
(Expeditionsausstatter) ein Adapterset beschaffen. Bei unserer Panamericana-Reise waren
wir uns dieser Probleme bewusst und haben unsere heimische Flasche samt Druckregler gleich
zuhause gelassen und in Canada eine dortige Flasche samt Regler gekauft. Wir mussten dann
nur noch eine flexible Schlauchverbindung zwischen Regler und unserem Bordgassystem
schaffen. Schwierig war dann aber, dass in Nordamerika die Kochgeräte und Heizungen alle
mit 30 Millibar Gasdruck arbeiten, während damals in Europa noch 50 Millibar Standard
waren (heute ists auch 30 Millibar). Das hat dazu geführt, dass die Kochflammen
deutlich schwächer brannten und wir uns mit unserer Katalyt-Heizung mangels ausreichendem
Gasdruck und damit schlechter Verbrennung fast vergast haben...
Nicht unterschätzt werden darf auch, dass Gasflaschen sehr viel wertvollen Stauraum
zunichte machen und - zu guter Letzt - auch ein nicht zu unterschätzendes
Explosionsrisiko beinhalten.
Für unsere Afrikareise haben wir uns darum nach einer Alternative umgesehen - und auch
gefunden. Wir haben uns einen ursprünglich für den Schiffsbau entwickelten Wallas
Diesel-Glaskeramik Kochfeldherd mit integriertem Heizungsgebläse zugelegt und in unserer
Kabine eingebaut. Der Herd hat während des ganzen Reisejahres absolut problemlos im
Schnitt täglich zweimal seinen Dienst geleistet und dabei alles in allem nur etwa 15
Liter Diesel verbraucht. Das Gerät ist allerdings nicht ganz billig in der Anschaffung:
gut 3'000 DEM sind im Budget einzuplanen - aber das war es uns rückblickend allemal wert!
Solange Sie fahren können (ein Dieselfahrzeug vorausgesetzt), können Sie kochen und
heizen.
Zur Versorgung Ihrer Bordelektrik (Kühlschrank/-box, Beleuchtung etc.) bei
Fahrzeugstillstand empfehlen wir die Verwendung einer grosszügig dimensionierten
Solaranlage in Verbindung mit einer leistungsfähigen Solarbatterie. Damit können Sie an
einem schönen, abgelegenen Ort stehenbleiben, so lange Sie wollen, ohne auf gekühlte
Getränke und andere Annehmlichkeiten des Lebens verzichten zu müssen.
Filmen und
Fotografieren
Filmmaterial
Ideal ist, wenn Sie eine ausreichende Anzahl des von Ihnen gewünschten Filmmaterials von
zuhause aus mitnehmen. Speziell Diafilme werden Sie unterwegs praktisch nirgendwo
ausserhalb von Europa erhalten. Gängige Negativfilme (Kleinbild) von Kodak, Fuji oder
Agfa zwischen 100 und 200 Asa finden Sie dagegen heute in fast jedem Supermarkt. Lagern
Sie die Filme vor und nach der Belichtung am besten im Kühlschrank oder der Kühlbox -
belichtete Filme sollten schnellstmöglich entwickelt werden. Falls Sie Filme zur
Entwicklung nach Hause schicken wollen, decken Sie sich vor Reiseantritt mit einer
gewissen Menge an röntgenstrahlensicheren Bleicouverts ein (erhältlich im guten
Fotofachgeschäft). Sie verhindern, dass Ihre Filme beim Röntgen des Pakets durch die
Post unwiderbringlich beschädigt werden.
Kamerawahl
Das Neueste muss nicht immer auch das Beste sein. Je besser Sie Ihre Gerätschaft kennen,
umso mehr können Sie sich beim Fotografieren auf Ihre Motive konzentrieren. Reisen Sie
mit einem auf Ihre Befürfnisse ausgerichteten Equipment herum. Wenn Sie zuhause eine
Diaprojektion auf Grossleinwand anstreben, haben Sie zwangsläufig andere Ansprüche an
Ihre Ausrüstung, als wenn Sie lediglich Schnappschüsse zur Dokumentation Ihrer
Reiseerlebnisse machen wollen. Mit einer Spiegelreflexkamera und einigen Wechselobjektiven
bewaffnet können Sie qualitativ bessere und jeder Situation gerechtwerdende Bilder
schiessen als mit einer vollautomatischen kleinen Sucherkamera. Dafür schleppen Sie das
sperrige Möbel aber für jedermann gut sichtbar tagtäglich mit sich herum, während dem
die kleine Sucherkamera fast unsichtbar in einem Bauchbeutel Platz finden kann. Alternativ
zum klassischen Zelluloid bietet sich heute bereits auch schon die digitale Fotografie bei
nicht allzuhohen Ansprüchen an. Nehmen Sie ausreichend Speichermedien und Ersatzakkus von
zuhause mit. Überlegen Sie sich, ob Sie nur fotografieren oder vielleicht - speziell für
Tieraufnahmen gut vorstellbar - auch filmen möchten.
Budget
Das hängt natürlich in allererster Linie von Ihren eigenen Ansprüchen ab. Wir selbst
sind bestimmt keine Budget-Traveller. Wir sind uns stets bewusst, dass wir vielleicht nur
einmal im Leben die Chance haben, verschiedenste Attraktionen entlang einer Reiseroute
anzusehen. Wir haben während unserer Afrikareise einen Tagesschnitt von 125 Franken für
zwei Personen errechnet (beinhaltend sämtliche unterwegs anfallenden Kosten wie
Verpflegung, Unterkunft, Aktivitäten/Eintritte, Souvenirs, Fahrzeugunterhalt, Flüge und
Verschiffungen etc.). 6 Jahre früher haben wir uns während unserer Panamericana-Reise
noch mit einen Schnitt von etwa 100 Franken begnügen können.
Geldbeschaffung unterwegs
Hier gibt es keine allgemeingültige Lösung.
Kreditkarten: Damit können Sie heute in den meisten Ländern in Banken, einigen
Hotels oder professionellen Wechselstuben Bargeld in Landeswährung beziehen. Die Kosten
(Kommission und Wechselkurs) sind aber häufig deutlich schlechter als beim direkten
Wechsel von Bargeld, vorzugsweise US-Dollar, in die benötigte Landeswährung.
Berücksichtigen Sie dabei auch, dass Ihnen die Kartengesellschaft zuhause ebenfalls eine
Kommission belastet (Mastercard derzeit 2.5%, Visa 4%).
Etwas problematisch ist der Einsatz der Karten noch in Ost-Afrika, im Speziellen in
Tansania, wo diese fast nirgendwo zur Bargeldbeschaffung verwendet werden können. In
Kenia und Uganda dagegen gelangen Sie damit bei den Barclay-Banken auch in kleinen Orten
schnell und preiswert an frische Devisen.
Wichtig zu wissen ist auch, dass die von Ihnen zuhause gültige Bezugslimite im Ausland
nicht gleich hoch sein muss. In Aegypten beispielsweise können Sie auf Ihre American
Express Karte nur gerade Bargeld im Gegenwert von 500 US-Dollar innerhalb eines Monats
beziehen, wie hoch Ihre Limite bei Ihnen zu Hause auch immer sein mag.
Travellercheques: Wir empfehlen, einen Vorrat dieser ziemlich diebstahlsicheren
Devisen in der Höhe eines budgetierten Monatsbedarfs mitzuführen. Die einzig wirklich
überall brauchbaren Cheques sind diejenigen von American Express in US-Dollar. Einige
Länder (z.B. in Ost-Afrika) verlangen von Ausländern, Übernachtungskosten und
Parkbesichtigungsgebühren in US-Dollar in bar zu begleichen.Oft hilft da nur noch das
Einlösen dieser Cheques in einem Forex-Büro weiter.
Bargeld: Aus Sicherheitsgründen raten wir vom Mitführen grösserer Bargeldmengen
dringend ab. Sinnvoll ist aber auf jeden Fall, immer etwa 200 bis 300 US-Dollar in kleinen
Scheinen irgendwo griffbereit mitzuführen (am besten an verschiedenen Orten am Körper
versteckt). Damit können Sie akute Problemfälle meist zeitsparend lösen.
Geldwechsel
Aktuelle Hinweise über die Geldwechselgepflogenheiten in den einzelnen Reiseländern
entnehmen Sie am besten einem aktuellen Reiseführer. Es gibt Länder, deren Devisen in
den Nachbarländern nicht besonders geschätzt sind. So können Sie zum Beispiel sambische
Kwatcha in Botswana oder Namibia gegen gar nichts eintauschen. Tansanische Shilling
wiederum werden in Malawi offiziell nicht eingetauscht. Dort also das Bare spätestens an
der Grenze wechseln. In Afrika, aber auch den Ländern Zentral- und Südamerikas ist es
nicht unüblich, Bargeld bei fliegenden Händlern an der Grenze oder sonstwo auf der
Strasse einzutauschen. Lassen Sie dabei aber Vorsicht walten und wechseln Sie nur kleinere
Beträge auf's Mal ein, und handeln Sie dabei ruhig ein wenig herum - die Margen der
Händler sind beachtlich.
Schmiergelder
Werfen Sie nicht einfach mit Geld um sich. Wenn ein Offizieller irgendwo Ihrer Meinung
nach unberechtigte Forderungen stellt, diskutieren Sie ruhig etwas mit ihm herum. Bleiben
Sie dabei stets freundlich, in der Aussage aber bestimmt. Im Gegensatz zu anderen
Weltenbummlern haben wir auf diese Weise auf keiner unserer bisherigen Reisen je
Schmiergelder bezahlen müssen.
Gesundheit
Konsultieren Sie unbedingt etwa 4 Monate vor Reiseantritt einen Tropenarzt, in der Schweiz
das Tropeninstitut in Basel. Im Gespräch mit einem Facharzt erfahren Sie den für Ihre
geplante Reise notwendigen Impf- und Medikamentenbedarf und können die teilweise
mehrteiligen Impfkuren samt Eintrag im Internationalen Impfausweis gleich beginnen. Falls
Sie schon im Alltag spezielle Medikamente benötigen, besorgen Sie sich vor Reiseantritt
einen ausreichenden Vorrat davon. Sie werden unterwegs zwar fast überall eine Apotheke
finden, aber deren Sortiment ist häufig nur auf einige Basisprodukte namentlich wenig
bekannter Hersteller beschränkt.
Halten Sie sich beim Eindunkeln in Malaria-Risikogebieten möglichst wenig im Freien auf,
denn dann sind die krankheitsübertragenden Moskitos am Gefährlichsten. Tagsüber oder
auf einer Höhe von über 1'700 Metern über Meer stellen diese keine Gefahr dar. Das
Tragen langer, heller Kleidung sowie der Einsatz von Mosktionetzen im Schlafbereich Ihres
Transportmittels kann Sie ausgezeichnet schützen. Als medizinisches Basis-Handbuch
empfehlen wir "Wo es keinen Arzt gibt" von David Werner, Reise
Know-How-Sachbuch. Direkt zu beziehen über unsere Literatur-Seite...
Sicherheit
Andere Länder, andere Sitten. Reisen beinhaltet immer ein gewisses Risiko, in dem man
sich aus dem vermeintlich sicheren Alltag ausklinkt und sich reizvoll Neuem und
Andersartigem zuwendet. Das aktuelle Sicherheitslage in einem potentiellen Reiseland von
zuhause aus zu beurteilen ist nicht immer einfach. Die Medien vermitteln mit ihrer auf
Sensation ausgerichteten Berichterstattung einen oft etwas einseitigen Eindruck von den
effektiven Zuständen in einem Land. So wird aus einem einzigen tragischen Vorfall nicht
selten gleich eine grössere, einschaltquotenträchtige Krise gebastelt. Lassen Sie sich
von solchen Vorfällen nicht gleich ins Bockshorn jagen, spielen Sie aber auch nicht
unnötig den Helden. Versuchen Sie sich selbst einen möglichst objektiven Überblick zu
verschaffen, bevor Sie irgend ein allenfalls unnötiges Risiko eingehen! Aus unserer
Erfahrung sind andere Reisende, die vor Ihnen an einem bestimmten Ort waren, die
wertvollsten Informationslieferanten. Unterwegs trifft man diese immer wieder an, von
zuhause aus lohnt sich auf jeden Fall die Suche nach aktuellen Reiseberichten im Internet.
Führen Sie sich vor Augen, dass Sie als Gast in einem anderen Land unterwegs sind,
verhalten und kleiden Sie sich also auch den Umständen entsprechend korrekt und
unprovokativ.
Fahren Sie nicht in der Nacht in unbekannten Gegenden herum (schliesslich reisen Sie ja
auch, um etwas zu sehen...) und steuern Sie einen Übernachtungsplatz schon vor Einbruch
der Dunkelheit an. In diesem Zusammenhang sei auch auf die jeweils gültigen Vorschriften
Ihres Reiselandes betreffend sogenannt wildem Campieren hingewiesen. Wir haben in aller
Regel auf offiziellen Camping- und anderen Übernachtungsplätzen (z.B. Balneareos in
Südamerika) übernachtet. Zum einen bieten diese meist kostengünstigen Plätze Schutz
vor allfälligen Übergriffen in der Nacht, zum anderen kann man auf eine im Normalfall
funktionierende Infrastruktur zurückgreifen, was auch nicht zu verachten ist. Wenn wir
wild übernachten wollen, fragen wir immer im nächstgelegenen Haus nach, ob das auch
genehm und sicher ist. Dabei entstehen oft auch recht interessante Kontakte zur
einheimischen Bevölkerung.
Von der Mitnahme von Waffen raten wir dringend ab: Zum einen erhöhen Sie damit im
Konfliktfall nur das Gewaltpotential, andererseits können Sie auch juristisch in
beachtliche Probleme geraten. Handeln Sie mit gesundem Menschenverstand, seien Sie andern
Menschen gegenüber offen und freundlich. Das zahlt sich immer aus!
Reiseliteratur
Für deutschsprachige Selbstfahrer sehr empfehlenswert sind unserer Meinung nach die
Reiseführer des Reise-Know-How Verlages, die für bald jedes Land der Erde erhältlich
sind. Die darin enthaltenen Informationen sind meist recht aktuell und die Bücher sehr
benutzerfreundlich aufgebaut.
Im englischen Sprachraum können wir die sogenannten Handbooks aus dem Footprint Verlag
empfehlen (insbesondere für Panamericana-Fahrer ein absolutes Muss!). Die ebenfalls sehr
aktuellen und gut detaillierten Bücher von Lonely Planet sind normalerweise auf Benutzer
eines öffentlichen Transportsystems (sprich Backpacker) ausgerichtet und daher für
Selbstfahrer leider weitgehend unbrauchbar, weil wesentliche Detailwegbeschriebe fehlen.
Wir können Sie daher nur als Ergänzung zu anderen Reiseführern empfehlen.
Visa
Je nachdem, woher Sie kommen und wohin Sie gehen, gelten unterschiedliche und häufig
ändernde Bestimmungen. Erkundigen Sie sich am besten bei einem kompetenten Reisebüro,
wie die derzeitigen Bestimmungen für Bürger Ihres Landes in den einzelnen Reiseländern
sind. Einzelne Reisebüros können Sie sogar mit den notwendigen Antragsformularen
versehen (z.B. Globetrotter in Basel/Schweiz). Beachten Sie aber, das Visa grundsätzlich
zwei verschiedene Gültigkeitsdauern aufweisen: Einmal die Zeit von der Visa-Erteilung bis
zum spätest möglichen Einreisedatum in das entsprechende Land (meist sind das drei
Monate), zum anderen die Zeit, welche Sie nach der Einreise im Land bleiben dürfen. Das
bedeutet konkret, dass es keinen Sinn macht, für eine einjährige Reise schon vor
Reiseantritt sämtliche Visa einzuholen, weil diese dann vor Erreichen der späteren
Reisedestinationen bereits wieder verfallen sind. Für viele Länder können Sie in der
Hauptstadt des Nachbarlandes oder gar direkt an der Grenze ein Visa erhalten (mehrere
Passfotos und Dollar-Devisen mitnehmen). Syrien ist da z.B. aber eine Ausnahme: Ausserhalb
Ihres Heimatlandes können Sie dafür keinen Visa-Antrag stellen.
Dokumente
Persönlich: Verlassen Sie die Heimat mit einem möglichst neuen, leeren Pass.
Damit gehen Sie auf Nummer sicher, was etwaige Animositäten einzelner Zollstellen
gegenüber unerwünschten Stempeln anderer Nationen in Ihrem Ausweis betrifft. Einige
Länder bieten für grössere Reise umfangreichere Pässe an, Deutsche können sogar mit
mehr als einem gültigen Pass unterwegs sein, was bei richtiger Handhabung das Bereisen
von Israel und Syrien derzeit enorm erleichtern kann. Schweizer Bürger haben diese
Multipass-Möglichkeit allerdings nicht. Nehmen Sie unbedingt auch Ihren gültigen
Internationalen Impfausweis mit - einzelne Länder verweigern z.B. bei fehlendem
Gelbfieber-Schutznachweis die Einreise. Ebenfalls sinnvoll - wenn auch nicht überall
vorgeschrieben - ist das Mitführen eines internationalen Fahr- und Fahrzeugausweises,
beim Automobilclub oder in der Schweiz auch bei der Motorfahrzeugkontrolle zu erwerben.
Fahrzeug: Sie benötigen für Reisen in die meisten aussereuropäischen Länder
zwingend ein sogenanntes Carnet de Passages, welches der heimische Automobilclub (und
nicht etwa der Zoll!) ausstellen kann. Wir empfehlen Schweizern, Ihr Carnet nicht beim TCS
sondern völlig legal beim deutschen ADAC in München zu besorgen. Die für das
internationale Dokument zu hinterlegende Sicherheitskaution ist für einen identischen
Fahrzeugwert in beiden Ländern dort deutlich günstiger - und das kommt dem Reisebudget
zugute.
Sinnvoll kann möglicherweise auch das Anbringen nachgemachter
Original-Fahrzeugkennzeichen sein. Sie können Ihre Originalkennzeichen beim Verlassen des
Gültigkeitsbereichs der grünen Versicherungskarte an Ihre Behörde zurückschicken und
das Fahrzeug dabei abmelden. Dann bezahlen Sie für die Zeit, in der Sie sowieso
ausserhalb jegliches Geltungsbereichs sind keine unnötigen Steuern und
Versicherungsgebühren.
Wichtig: Machen Sie von allen Ausweisen Fotokopien, die Sie einerseits mitführen,
aber auch Ihrer Stellvertretung zuhause hinterlassen. Im Verlustfall erleichtert das die
Neubeschaffung der Dokumente.
Versicherungen
Persönlich: Verschaffen Sie sich unbedingt vor Reiseantritt einen ausreichenden
Auslandreiseversicherungsschutz. In der Schweiz bedeutet dies, an den Einschluss des
Unfallschutzes in die Krankenkasse zu denken und diese auf eine weltweite Gültigkeit hin
zu ergänzen. Eventuell macht in diesem Zusammenhang eine kostengünstige
Abredeversicherung zur Verlängerung des Arbeitgeber-Unfallschutzes nach der
Erwerbsaufgabe für maximal 6 Monate Sinn.
Fahrzeug: Mit dem Verlassen des Gültigkeitsbereichs Ihrer Haftpflichtversicherung
(siehe Grüne Versicherungskarte) verlieren Sie auch jeglichen Versicherungsschutz. Meist
können/müssen Sie jeweils an der Grenze zu einem neuen Reiseland eine sogenannte
Third-Party-Insurance (also eine minimale Haftpflichtversicherung) abschliessen, in
einigen Ländern sind Sie auch automatisch über den Benzinpreis versichert. In Ost-Afrika
wird von der Comesa eine vergleichbare Gelbe Versicherungskarte für fast alle ost- und
südafrikanischen Länder verkauft. Wir empfehlen, diese Versicherung in Uganda
abzuschliessen: Nur dort müssen Sie für diese Versicherung nicht gleich noch eine
örtliche Versicherung gleicher Zeitdauer abschliessen, die Sie auf Ihrer Weiterreise gar
nicht benötigen (wie dies aber z.B. in Kenia und Tanzania unabdingbar ist). Erhältlich
ist die Karte bei fast allen Autoversicherern in grösseren Ortschaften.
Wasser
Obwohl zwei Drittel der Erdoberfläche aus Wasser bestehen, ist nur ein verschwindend
kleiner Teil davon als Trinkwasser geniessbar. Wasser ist weltweit der mit Abstand
grösste Infektionsträger. Trinken Sie darum ausserhalb von Europa Wasser nur aus
originalverschlossenen Mineralwasserflaschen, ansonsten filtern Sie es mit einem
Katadyn-Keramikwasserfilter und/oder entkeimen Sie es mit Micropur. Das gilt übrigens
auch für das Zähneputzen! Vergessen Sie das Märchen vom Abkochen: Damit dies
funktioniert, müsste das Wasser mindestens 20 Minuten richtig kochen. Dabei würde der
grösste Teil des kostbaren Nass' noch vor Ablauf der Zeit verdunsten und Sie hätten
nebenbei noch eine gewaltige Menge Energie verheizt. Verzichten Sie auf Eis in Ihren
Getränken, vermeiden Sie ungekochte Gemüse und ungeschälte Früchte. Weitere
Entkeimungs- und Filterprodukte gibt es von Relags und Certisil (siehe Adressen Link
Seite).
Zelt/Rucksack
Auch wenn Sie mit einem gutausgebauten Fahrzeug unterwegs sind, empfehlen wir die Mitnahme
eines praktischen Bodenzeltes und eines ebensolchen Rucksacks. Das erlaubt Ihnen unterwegs
auch einmal abgelegenere Gegenden zu Fuss im Rahmen einer mehrtägigen Wanderung zu
erkunden.
Zeit
Nebst einem angemessenen Reisebudget ist unbeschränkte Zeit wohl das wichtigste Gut jeder
grossen Reise. Nur ohne Termindruck können Sie so eine Reise wirklich geniessen, an einem
Ort, wo es Ihnen gefällt länger bleiben, anderswo einfach durchfahren und die dabei
gewonnenen Eindrücke und Erlebnisse verarbeiten. Ein unabdingbares Element also, um die
Länder Ihrer Reise wirklich richtig kennenlernen zu können! |